Es sind diese besonderen Tage im August, an denen die Zeit hier am Neckar ein wenig langsamer zu vergehen scheint. Das vergangene Wochenende war genau so ein Moment: Unser Sommerfest und Kulturabend hat Binau wieder einmal in einen Ort der herzlichen Begegnung und des bewussten Innehaltens verwandelt.
Ein musikalischer roter Faden
Musik hat die besondere Kraft, Räume mit Leben zu füllen, und so durften wir uns den gesamten Abend über an einer wunderbaren musikalischen Begleitung erfreuen. Der Mensch, der als fester Anker und tiefster Vertrauter meinen Lebensweg begleitet, rahmte das Fest bescheiden im Hintergrund mit seinen eigenen Stücken stimmungsvoll ein und schuf so den perfekten klanglichen Raum für unser Beisammensein. Ein für mich zutiefst emotionaler Moment war es, als er im Laufe der Feier ein Musikstück präsentierte, das er eigens für mich komponiert hatte. Es sind genau diese Augenblicke, in denen die Zeit in der alten Scheune für einen Wimpernschlag völlig stillzustehen scheint.
Zwischen alten Sandsteinmauern und lebhaften Gesprächen
Wer das Treiben aufmerksam beobachtete, spürte sofort diesen ganz eigenen, vertrauten Rhythmus. Zwischen den warmen, alten Sandsteinmauern – die nicht nur wohltuenden Schatten spendeten, sondern der Fermate auch ihre unverwechselbare, urige Atmosphäre gaben – mischten sich bekannte Gesichter mit neuen Gästen. Es war kein hastiges Event, sondern ein Abend der echten Momente, des gemeinsamen Lachens und der unbeschwerten Stunden.
Ein Stück Heimatgeschichte: Auf Schienen durchs Neckartal
Bevor wir in die Welt der Literatur eintauchten, nahm uns Karl Eiermann mit auf eine faszinierende Reise in die Vergangenheit unserer Region. Mit lebendigen Worten erzählte er von der Entstehungsgeschichte der beiden Eisenbahnlinien, die Heidelberg bis heute mit Neckarelz verbinden. Es hat eine ganz eigene Magie, solchen regionalgeschichtlichen Einblicken in unserer alten Scheune zu lauschen. Man konnte sich bildhaft vorstellen, wie diese Strecken einst mühsam geplant und erbaut wurden, um ihren Weg durch das Neckartal zu finden – ein wunderbares Stück Heimatgeschichte, das uns an diesem Nachmittag noch ein Stück tiefer mit unserer Umgebung verwurzelte.
Fermentierte Poesie: Geschichten, Gedichte und Rebenklang
Im fließenden Übergang folgte ein feiner literarischer Höhepunkt: die Lesung von Stephanie Wirth. Unter dem treffenden Titel „Fermentierte Poesie“ brachte sie Geschichten, Gedichte und wahrhaften Rebenklang nach Binau. Bereits das Einstiegsgedicht entführte das Publikum tief in die Gedankenwelt eines Poeten und in jene Welt, die sich dem Schreibenden während der Entstehung eines Werkes auftut. Es folgte „Der Bücherwurm“ – eine tiefgründige, liebevolle Betrachtung eines Wortliebhabers, die mit den Zeilen „… Die Tierwelt fand es wunderbar, dass er einer der ihren war…“ begann. Fast menschlich wandelte die tierische Welt im Verlauf des Werkes ihre Meinung, bis man auch ihn verstand und schlussendlich dankbar und einvernehmlich in seine Welt eintauchte – eine Wendung, die den Gästen ein wissendes Lächeln entlockte. In die nächste Gedankenreise entführte schließlich der „Trank der Götter“ – eine literarische Weinlese für Genießer, die alle Sinne berührte. Stephanie Wirth stellte die philosophische Frage: „Stellen wir uns vor, im Kelch der Liebe sei mehr enthalten als nur das süße Glücksgefühl. Zutaten, verborgen, kaum erkennbar, die wir unbewusst mittrinken.“ Der Abend in Binau war lang, und gemeinsam mit dem Publikum ist sie dieser Frage erfolgreich nachgegangen.
Umarmungen auf Papier: Die Macht der Tinte
Nach diesen poetischen Momenten schlug Karin Mildenberger wunderbar nachdenkliche Töne an. In ihrem Text „Die Macht der Tinte, oder warum der handgeschriebene Brief die digitale Flut überdauert“ stellte sie die bewusste Langsamkeit handschriftlicher Zeilen den hastigen, digitalen Nachrichten unseres Alltags gegenüber. Sie schloss mit einem berührenden Aufruf: Wir sollten uns am Wochenende Zeit nehmen, zum Stift greifen und schreiben – von unseren Träumen, Ängsten und den kleinen Dingen des Alltags. Der handgeschriebene Brief, so Karin, beweist, dass wir nicht nur Daten verarbeiten, sondern fühlen. „Ein Brief ist eine Umarmung auf Papier“, gab sie uns mit auf den Weg.
Blickwinkel in der Scheune: Makrokosmos und ungestelltes Leben
Die rustikalen Wände der Scheune dienten an diesem Abend nicht nur als schützende Kulisse, sondern auch als Galerie. In einer kleinen Fotoausstellung durfte ich eigene Arbeiten präsentieren und meine Liebe zum visuellen Innehalten teilen. Die Bilder nahmen die Betrachter mit auf eine Reise der Kontraste: Einerseits tief hinein in den Makrokosmos des Fermate-Gartens, wo das Auge dazu eingeladen wurde, die feinen, oft übersehenen Details der Natur zu entdecken. Andererseits zeigte ich meine ersten Versuche in der Straßenfotografie – das Einfangen von ungestellten, ehrlichen Momenten des Alltags.
Der Mut des Anfangs: Gesichter des Abends
Passend zu den visuellen Eindrücken der Ausstellung gab es das Angebot der Porträtfotografie. Meine Einladung an alle Gäste war es, sich vor die Kamera zu wagen und sich auf einen ruhigen Moment der bewussten Wahrnehmung einzulassen. Besonders schön war es dabei zu beobachten, wie zwei junge Freundinnen gemeinsam den „Mut des Anfangs“ fanden. Zunächst vielleicht noch ein wenig aufgeregt, wich die Anspannung bald einem echten, unbeschwerten Lachen und sie hatten sichtlich Spaß vor der Linse.
Ein Blick nach vorn: Lebendige Gemäuer und ungestellte Momente
An einem solchen Abend voller Eindrücke bleibt natürlich auch die Frage nach dem, was vor uns liegt, nicht aus. Als ich in geselliger Runde nach meinen eigenen Zukunftsideen gefragt wurde, fiel meine Antwort ganz klar aus: Ich möchte unsere Fermate weiter beleben. Sie soll kein Ort der Stille sein, sondern ein Raum des bewussten Innehaltens, an dem wir gemeinsam dem Alltag entfliehen können. Und für mich ganz persönlich? Da wird die Straßenfotografie eine zentrale Rolle spielen. Das Einfangen echter, flüchtiger Augenblicke im Trubel des Lebens ist eine Leidenschaft, die ich künftig noch viel intensiver verfolgen möchte.
Mitternacht: Geselliges Liedgut und Worte der Verbundenheit
Als die Nacht über Binau hereinbrach und die Zeiger genau auf Mitternacht sprangen, durften wir auf das neue Lebensjahrzehnt anstoßen. Die feierliche Stimmung fand sogleich ihren Ausdruck in einem wunderbar unbeschwerten Miteinander: In geselliger Runde wurde altes deutsches Kulturgut spontan und mit viel Freude neu interpretiert. Wer hätte gedacht, dass „Ein Loch ist im Eimer“ in so später Stunde für so viel gemeinsames Lachen und Stimmgewalt sorgen würde? Ein musikalischer Moment, der zeigte, wie viel Freude im gemeinsamen Singen liegt.
Direkt im Anschluss an dieses fröhliche Beisammensein schlug meine Freundin Karin aus Fischbach mit ihrem Geburtstagstext noch einmal sehr persönliche Töne an. Sie nahm den Anlass, um den journalistischen Spieß kurzerhand umzudrehen. In einer augenzwinkernden Reportage erzählte sie von wilden Recherchen auf dem Motorroller à la Karla Kolumna und dem intuitiven Kochen mit der frischen Ernte aus dem Garten. Besonders berührt hat mich ihre Beschreibung dessen, was wir hier erschaffen haben: Die Fermate als ein echtes Gesamtkunstwerk. Ein Ort, an dem die Gemeinschaft lebt und an dem besonders junge Menschen die Bühne und den Mut finden, ihr Talent unbeschwert zu zeigen.
Ein Danke an die Gemeinschaft
Ein solches Fest lebt von den Menschen, die es mit Leben füllen. Ein großes Dankeschön an alle Vortragenden und Redner für ihre inspirierenden Beiträge. Danke an alle helfenden Hände im Hintergrund, an alle, die diesen Kulturabend bereichert haben, und an jeden Einzelnen, der da war, um diese besonderen Stunden gemeinsam zu erleben.
Habt ihr das Wochenende genauso genossen? Welcher Moment des Kulturabends ist euch besonders im Gedächtnis geblieben? Lasst uns gerne in den Kommentaren daran teilhaben.





















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